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Die Mitglieder des Vereins Freundeskreis Waldkrankenhaus Köppern e.V. unterstützen ehrenamtlich Patienten im Waldkrankenhaus durch Ausrichtung von Aktivitäten für und mit den Patienten. Mit diesen Mitteln tragen wir zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Kranken und suchtmittelabhängigen Menschen bei und fördern deren Integration in die Gesellschaft. Hier möchten wir mit Anderen in Kontakt treten!

Freundeskreis Waldkrankenhaus Köppern e.V.

Kompetent mit Menschen

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Friedrichsdorf, 3. Dezember 2016. Der Landesverband Psychiatrie-Erfahrene Hessen e.V. sowie die beiden Friedrichsdorfer Robert T. Hempkin und Ronald Guenther sind die diesjährigen Preisträger der „Professor Emil Sioli-Ehrenmedaille“. Der Preis erinnert an den Gründervater des Waldkrankenhauses Köppern und würdigt Persönlichkeiten, die sich um die Integration von psychisch kranken oder suchtmittelabhängigen Menschen verdient gemacht haben oder sich anderweitig in herausragender Weise für die Belange von psychisch Kranken einsetzen. Die Ehrenmedaille wird alle zwei Jahre vergeben.

„Der Freundeskreis Waldkrankenhaus Köppern hat den Preis 2012 gestiftet, weil gerade das ehrenamtliche Engagement in der Psychiatrie zu wenig Beachtung findet. Dabei gibt es eine Reihe von verdienten Persönlichkeiten, wie unsere diesjährige Ehrung einmal mehr unter Beweis stellt“, begrüßte der Freundeskreis-Schriftführer Dieter Becker, der anstelle des erkrankten Vereinsvorsitzenden Damian Bednorz sprach, die Gäste der Preisverleihung am Samstag im Klinik-Festsaal. Darunter befanden sich der Stadtverordnetenvorsteher Karl Günter Petry, der Geschäftsführer von Vitos Hochtaunus, Stephan Köhler, sowie zahlreiche Patienten und deren Angehörige. Becker erinnerte an den Namensgeber der Ehrenmedaille, Prof. Emil Sioli, der in Köppern im Jahr 1901 eine weitgehend offene Psychiatrie errichtet hatte, aus der knapp sechs Jahrzehnte später das Waldkrankenhaus hervorgegangen war. Der Mediziner etablierte die damals noch landwirtschaftlich geprägte Arbeitstherapie und zählte mit seinem humanistischen Menschenbild zu den fortschrittlichen Vertretern seiner Disziplin. Einer der Assistenzärzte Siolis war Dr. Alois Alzheimer, der Entdecker der gleichnamigen De-menzerkrankung.

„Für Sioli war die Nähe zu seinen Patienten nicht etwa dem Bemühen um ´Kundenorientierung` geschuldet, sondern einzig und allein der Mitmenschlichkeit und dem ärztlichen Ethos. Diesem Geist hat sich der Freundeskreis verpflichtet und dies in seinem Wahlspruch ´Kompetent mit Menschen` zum Ausdruck gebracht“, sagte Becker. Das Vorstandsmitglied wies zudem darauf hin, dass der Förderverein die von Sioli gewünschte Wohneinrichtung außerhalb der Klinikmauern zwischenzeitlich verwirklicht habe. Und zwar mit dem Wohn-Projekt „LivingFriends“ für zwei Personen mit Hilfebedarf, denen in einer Wohngemeinschaft (WG) in Friedrichsdorf die Rückkehr in ein selbst bestimmtes Leben ermöglicht werde. Weitere WG´s sollen folgen.

Dass Siolis reformerische Ideen in den Waldkrankenhaus-Fördervereinen „Freundeskreis“ und „Laienhilfe“ fortbestünden, bemerkte der Stadtverordnetenvorsteher Karl Günter Petry. „Die ehrenamtlichen Helfer schlagen eine Brücke von der Psychiatrie in die ´Normalität`. Damit trägt Siolis Wirken Früchte bis in die Gegenwart“, zeigte er sich überzeugt. Ähnlich äußerte sich der Vitos Hochtaunus-Geschäftsführer Stephan Köhler, der die Projekte des Freundeskreises als „wertvolles Engagement, vor dem er den Hut ziehe“ lobte. Daher wolle man auch in der künftigen Klinik auf dem Gesundheitscampus Bad Homburg Räume für die Fördervereine einplanen, kündigte der Krankenhausfachmann an.

Anschließend nahm Becker zusammen mit Petry und Köhler die Auszeichnung der diesjährigen Preisträger der „Professor Emil Sioli-Ehrenmedaille“ vor.

Preisträger 2016 der „Professor Emil Sioli-Ehrenmedaille“

Den Anfang machte Robert T. „Jimmy“ Hempkin, der als Geschäftsführer die Geschicke des Frankfurter Investment-Unternehmens ICAP Deutschland lenkt. Hempkin konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Preisverleihung teilnehmen.Die Medaille wird ihm zu einem späteren Zeitpunkt übergeben. „Jimmy“ Hempkin habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Patienten-Aktivitäten des Freundeskreises in der Vergangenheit mehrfach großzügig unterstützt und dadurch erst möglich geworden seien, so Becker. Zu den Traditionen von ICAP zählt seit 1993 der so genannte „Charity Day“ („Wohltätigkeitstag“), an dem die Broker auf sämtliche Maklerprovisionen verzichten. Stattdessen spenden sie die vereinnahmten Gelder für den guten Zweck. „Jimmy Hempkin ist aber nicht ´nur` Repräsentant von ICAP, einem unserer wichtigsten Unterstützer, sondern sehr viel mehr: Er ist ein guter, treuer Freund und Begleiter geworden. Er hat ein großes Herz und ist mit dem Freundeskreis ebenso verbunden wie mit dem Schicksal der Patienten im Waldkrankenhaus Köppern“, bedankte sich Becker in seiner Laudatio.

Für seine Verdienste um die Angehörigenarbeit wurde der ehemalige Sozialarbeiter Ronald „Ronnie“ Guenther ausgezeichnet. Der Friedrichsdorfer war von 1980 bis 2013 im Suchtbereich des Waldkrankenhauses tätig, wo er seinen Patienten nicht nur bei Schwierigkeiten mit Behörden, Vermietern oder Arbeitgebern unter die Arme griff, sondern auch in Fragen jenseits der klassischen sozialarbeiterischen „Baustellen“ ein geschätzter Ratgeber war. „Sein zugewandtes, einfühlsames und menschliches Wesen hat ihm Ansehen, Vertrauen und Zuneigung bei Patienten wie Kollegen gleichermaßen eingebracht“, hob Becker hervor. 1996 rief Guenther die „Angehörigengruppe Sucht“ ins Leben, die er 17 Jahre lang eigenverantwortlich und mit Erfolg leitete. Der Angehörigenarbeit kommt im Rahmen einer Entzugstherapie vor allem deshalb große Bedeutung zu, weil das familiäre Umfeld den suchtkranken Menschen Stabilität und Sicherheit bietet und damit die Gefahr eines Rückfalls verringert. Guenther habe die Angehörigenarbeit als festen Bestandteil im Waldkrankenhaus Köppern etabliert und maßgeblich vorangebracht, hieß es in der Begründung.

Für die Rechte von Patienten in psychiatrischen Einrichtungen tritt der Landesverband Psychiatrie-Erfahrene Hessen e.V. ein, der für sein Engagement im Sinne der Inklusion ausgezeichnet wurde. Die Psychiatrie-Erfahrenen setzen sich für Men-schen mit psychischen Erkrankungen ein und fordern Chancengleichheit für alle, egal ob mit oder ohne Behinderung. Zugleich sind sie für ein Verbot der Benachteiligung und wünschen sich eine gleichberechtigte Beteiligung beim Aufbau psychiatrischer Hilfsangebote. Und sie sprechen sich gegen die Bevormundung und die Verwahrung von psychisch Kranken ein. Stattdessen sollen Psychiatrie-Erfahrene aus den Hilfsangeboten selbst auswählen und bei Bedarf Patientenanwälte in Anspruch nehmen können. „Darüber hinaus leisten die Psychiatrie-Erfahrenen wichtige Aufklärungsarbeit“, kam Becker zum Schluss und überreichte den Preis an Heidi Höhn und Charlotte Alexandra Zahn vom Vorstand der Psychiatrie-Erfahrenen Hessen.

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